Schlammschlacht beim 25. Canyon Rhein Hunsrück Gravel Marathon: Marcus Melcher bezwingt die Elemente in Rhens

Rhens, Rheinland-Pfalz, 31.05.2026 – Extrembedingungen beim traditionsreichen Canyon Rhein Hunsrück Marathon in Rhens: Für die Fahrer ging es am vergangenen Sonntag nicht nur gegen die Konkurrenz, sondern vor allem gegen die Naturgewalten. Für die RSG Ried Rastatt stand Marcus Melcher an der Startlinie der anspruchsvollen 78-Kilometer-Gravelstrecke. Nach einem heftigen Unwetter am Morgen verwandelte sich die ansonsten traumhafte Strecke in eine epische Schlamm- und Rutschpartie. Von 60 gestarteten Fahrern erreichten am Ende nur 40 das Ziel – darunter Marcus, der sich nach einem Sturz und harten Kilometern sensationell auf Platz 26 (Platz 5 in der Altersklasse) durchkämpfte.

Wie extrem der Rennverlauf aus der Cockpit-Perspektive war, schildert Marcus in seinem ungeschönten und packenden Originalbericht:

Renndatum: 31.5.2026

Strecke: 2 Runden à 38km plus An- und Abfahrt mit gesamt 78km, 1.800hm

Ergebnis: Platz 26, AK Platz 5, 4:16:27 h

Insgesamt fühlte ich mich relativ gut vorbereitet. Seit September 2025* arbeite ich mit einem Trainer zusammen und musste mich etwas an die stark reduzierten Umfänge, die hochintensiven kurzen Einheiten auch im Winter und die neuen Trainingsformen gewöhnen. Teilweise habe ich mich trotz der teils hohen Intensitäten, wegen der vielen Ruhephasen und relativ wenigen Kilometer deutlich unterfordert gefühlt. Aber die nüchternen Leistungsdaten waren gut.

Die Bedingungen am Renntag waren grenzwertig. Von 7-9 Uhr zog ein Unwetter mit starkem Gewitter und Starkregen vor Ort durch. Der Start wurde sinnvollerweise um eine Stunde nach hinten verschoben. Die Strecke war allerdings zum Teil extrem weich, teigig und teilweise bei meinem eigentlich recht guten technischen Können auf dem Gravelbike kaum noch oder nur mit (zu) hohem Risiko zu fahren. Besonders fies waren längere Abschnitte mit 20-50cm Matschauflage und hartem, nicht sichtbarem Untergrund. Das war kaum noch steuerbar. Leider war auch die Hinweisbeschilderung auf Gefahrenstellen teilweise viel zu kurz vor dem Hindernis angebracht. Temperaturen waren mit 23 Grad gut. Es war wolkig, teilweise starker Wind und extrem schwül. Traumhafte Strecke (wenn trocken), traumhafte Gegend (wenn trocken).

Die Veranstaltung ist insgesamt eher klein und familiär. Gemeldet waren auf der langen Gravelrunde ca. 80 Teilnehmer, gestartet sind 60, im Ziel waren 40 und ich war auf Platz 26 (https://www.mtb-rhens.de).

Mein Rennverlauf war arg durchwachsen. Beim Start konnte ich mich nach kurzer Hektik schnell am Ende einer großen Führungsgruppe einsortieren, merkte aber genauso schnell, dass ich am ersten Berg nicht mitfahren sollte. Mein Trainer hat mir als Pacing Strategie mitgegeben, an allen längeren Anstiegen nicht deutlich über 300W zu gehen und erst ab Kilometer 58,8 (Ja, O-Ton mit der Nachkommastelle) All Out. Also ließ ich mich widerwillig zurückfallen. Ab dem Zeitpunkt wurde es dann für meinen Geschmack auch viel zu früh recht einsam. Ab und zu kam von hinten jemand, ab und zu fuhr ich einen auf, größtenteils war ich aber alleine unterwegs. Was mir dann aber in den technischen Sektionen und vor allem in einer extrem schmierigen, sehr schnellen, weil schnurgeraden Trail-Sektion ganz recht war. So konnte ich mein Tempo fahren und bekam zum technischen Stress nicht auch noch Druck von hinten.

Leider hatte ich an einer Gefahrenstelle keine Chance mehr das Tempo adäquat anzupassen. Die Warnhinweise standen so extrem kurz vor der Kurve, dass ich die Kurve mit größerem Radius nehmen musste, um nicht garantiert hinten ins Gebüsch getragen zu werden. Was ich leider nicht mehr vermeiden konnte, war die 50cm tiefe Rinne zu touchieren, die der Starkregen wohl am Morgen ausgewaschen hatte. Der folgende Sturz was nicht mehr zu vermeiden. Vorderrad in die Rinne, Hinterrad nachgezogen, Vorderrad blockiert und quergestellt, Abflug in die Brombeeren und 2-3m den Abhang runter.

Sortiert, Rad geprüft, Kerl geprüft und außer Schürfungen nichts gefunden, also weiter. Es hat ne Weile gedauert, den Rennmodus wieder zu finden. Straßen wie Schmierseife, technisch zwar kurze, aber extrem schwierige Trails, riesige Wasserpfützen und Schlammlöcher, schmierige Anstiege und leider viel zu spät angekündigte Gefahrenstellen zwangen mich noch mehrmals zu einem unfreiwilligen Abstieg. Teils gewollt, teils gestürzt, aber alles harmlos bis auf den allersten Abflug in die Brombeeren.

Nach Runde eins wollte ich eigentlich aussteigen. Im Nachhinein bin ich froh, den Schweinehund besiegt zu haben und ins Ziel gekommen zu sein. Dennoch eine Erfahrung, die man nur bedingt braucht als Sportler. Über weite Strecken hat es sich nach Wettkampf angefühlt, es war aber auch oft nur ein Überlebenskampf und Vermeidung von ernsthaften Schäden an Pilot und Material. Mit Wettkampf im Sinne von Leistung auf dem Pedal hatte das dann nur noch wenig zu tun. Für das erste Gravel Race muss man wohl die Erfahrung als größten Pluspunkt mitnehmen, das reine Ergebnis stimmt mich sportlich gesehen eher frustrierend.

Kampfgeist belohnt

Auch wenn Marcus im ersten Moment mit dem Ergebnis hadert und ein eher kritisches Fazit zieht: Die RSG Ried Rastatt zieht den Hut vor dieser mentalen und physischen Energieleistung! Bei Bedingungen, bei denen ein Drittel des Feldes vorzeitig das Rad abstellte, nach einem harten Sturz in die Brombeeren den inneren Schweinehund zu besiegen und die zweite Runde durchzuziehen, zeigt echten Radsport-Kampfgeist.

Mit Platz 26 im Gesamtklassement und einem starken 5. Platz in der Altersklasse bei dieser Schlammschlacht hat Marcus eine exzellente Visitenkarte hinterlassen. Herzlichen Glückwunsch zu diesem harten Finish!